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Feste Kaiser Wilhelm II: Hightech im Grünen

Stacheldraht, Schützengräben, Bunker. Ende des 19. Jahrhunderts entsteht im Elsass eine gewaltige deutsche Militäranlage: die Feste Kaiser Wilhelm II.

Das Bollwerk ist damals hochmodern, protzig und gleichzeitig eine riesige Versuchsanlage. Im Ersten Weltkrieg ist sie an einem Tag in Kämpfe verwickelt, anschließend gerät sie in Vergessenheit. Gestrüpp und Bäume überwuchern seitdem die Anlage. Einmal im Jahr können Besucher die gesamte Verteidigungsanlage besichtigen, die heutzutage unter dem Namen Fort de Mutzig bekannt ist.

Meine Reisereportage dazu ist Ende Januar in der ZEIT erschienen und inzwischen auch online abrufbar. Dazu habe ich parallel eine Audio Slideshow erstellt, die es hier im Blog zu sehen gibt.

Im Gegensatz zu den meisten Ton-Bild-Strecken habe ich keine reine O-Ton-Reportage gewählt, sondern mich selbst hinter das Mikrofon gewagt. Das macht die Erzählung wesentlich flexibler als wenn man nur auf die O-Töne von Interviewpartnern angewiesen ist. Andererseits zeigt sich, dass für hochwertige audiovisuelle Inhalte ein geübter Sprecher (zu denen ich mich nicht zähle) notwendig ist.

Datenjournalismus macht abstraktes Zahlenmaterial verständlich

Dem sogenannten “Datenjournalismus” scheint in diesem Jahr endgültig der Durchbruch als großer Trend im Online-Journalismus zu gelingen. Das vollzieht sich wesentlich leiser als bei den Vorläufern Twitter und Facebook.

Offenbar hängt dies damit zusammen, dass sich bislang nur sehr wenige deutsche Nachrichtensites in diesem zeitintensiven Geschäft engagieren. Soziale Medien erscheinen da im Vergleich schnell und billig.

Nichtsdestotrotz: Behörden und Organisation veröffentlichen auf ihren Websites zahlreiche Daten, Erhebungen und Statistiken. Internetnutzer scheren sich nicht darum. Journalisten schon eher. Doch meist bleibt es dabei, bestimmte Kennzahlen nachzuschlagen.

Um die gesamten Daten für eine Story aufzubereiten, bietet der Datenjournalismus dagegen eine tolle Möglichkeit. Denn in vielen Datensätzen liegen offensichtlich interessante Fakten und Zusammenhänge verborgen.

Einige Beispiele:

Parteispenden über 50.000 Euro (Gregor Aisch)

Tolle Grafik von Gregor Aisch, der die Spenden an die politischen Parteien visualisiert hat. Einfach und verständlich. Natürlich wären weitere Informationen zu den Spendern interessant gewesen.

Todesopfer rechter Gewalt 1990 – 2010 (Zeit)

Diese interaktive Karte zeigt die Todesopfer von rechter Gewalt in Deutschland. Weitere Informationen gibt es auch: hier.

The World’s Best Countries (Newsweek)

Herausragend! Eine Rangliste, die alle Länder auf der Erde im Vergleich zueinander darstellt. Ich habe selten so viel Zeit mit einer Infografik verbracht.

Immigration Explorer (New York Times)

Eine interaktive Karte, die die Einwanderung in den USA thematisiert. Auf den ersten Blick kleinteilig, doch die Navigation und Funktionsweise erschließen sich schnell. Dann wird es interessant, beispielsweise welche Bevölkerungsgruppe sich wo und wann in den USA angesiedelt hat.

The Jobless Rate for People Like You (New York Times)

… zeigt die Arbeitslosenrate in den USA aufgegliedert nach mehreren Faktoren. Über diese Infografik findet der User einen einfachen und spielerischen Zugang zum Thema.

Budget Forecasts, Compared With Reality (New York Times)

Die Grafik stellt die vergangenen Haushaltsentwürfe und Etatvorhersagen in den USA dar. Sehr interessant ist die Infografik, weil sie eindringlich zeigt, wie regelmäßig die positiven Etatvorhersagen der Regierungen in den vergangenen Jahren von der Realität abgewichen sind. Abstraktes Zahlenmaterial wird so nachvollziehbar, neue Zusammenhänge werden allein durch die Visualisierung verständlich.

Axel Springer Akademie: Fotos und Bewegtbild

Audio Slideshows mit Video-Elementen. Darum hat sich Anfang November 2010 ein dreitägiger Workshop gedreht, in dem ich das Team 8 der Axel Springer Akademie in Berlin unterrichtet habe.

Als Einführung in das Thema Audio Slideshow bekamen die angehenden Journalisten diese Beispiele zu sehen:
- Pergola (Fabian Mohr)
- Mario Röllig im Stasi-Gefängnis (von mir selbst)
- Außen Puff, innen die Hölle (Matthias Eberl)
- The 10th Mountain Divison (Time Magazin)
- Journey to the boarder (Washington Post)

In der Schulung zeigte sich dann mal wieder, wie anspruchsvoll es ist, allein mit Fotos einen Film zu produzieren. Dabei werfen Kritiker dem Format Audio Slideshow oft vor, ein schneller und billiger Abklatsch von Bewegtbild-Videos zu sein. Das Gegenteil ist der Fall, auch bei der Produktion.

Es ist schwierig, eine spannende Geschichte zu erzählen, wenn sich das Bildmaterial nicht bewegt. Die von Radio- und TV-Journalisten so gerne verwendete Phrase “das versendet sich” funktioniert hier eben nicht. Ein tolles Bild wertet eine Audio Slidehow mit jeder Sekunde auf, die es zu sehen ist. Genauso wie ein schlechtes Foto das Werk nach unten zieht. Und von schlechtem Ton will ich gar nicht erst anfangen.

Davon abgesehen sollte man Audio Slideshows und Bewegtbild-Videos nicht künstlich in verschiedene Schubladen stecken. Sie unterscheiden sich in Nuancen und in Wirkung, gehören aber zum selben Stammbaum. Wenn man beide kombiniert, kann das für das Ergebnis bereichernd sein und darauf kommt es ja an. Das sieht die Axel Springer Akademie offensichtlich genauso und legte Wert darauf, Audio Slideshows mit Video-Elementen zu verbinden.

Die Erfahrungen, die die Journalistenschüler in der Schulung  gesammelt haben, spielten sicherlich eine Rolle für ihr eigenes Projekt, eine iPad-App mit den Namen “Kraftwerk D”. Ein “Jahresrückblick mit Zukunft”, heißt es auf der Website der Axel Springer Akademie, der mit 3D-Grafiken, Audio-Slideshows und Videos in HD-Qualität ergänzt sein soll.

Vietnam: Impressionen aus der Stadt

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