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Schwammig, schwammiger, Web-Reportage

Ich kann es nicht mehr lesen: Wenn im Internet von audio-visuellen Inhalten die Rede ist, fallen schnell Begriffe wie Web-Reportage, Web-Dokumentation – oder gleich auf Englisch: Web Documentary. Was soll das sein? Alles und nichts. Mehr als schwammige Vorstellungen fallen mir dazu nicht ein.

Was macht eine Reportage zu einer Web-Reportage? Offenbar reicht allein der Fakt, dass sich das Ganze im Internet abspielt. Anders lässt sich nicht erklären, dass etwa beim deutschen Reporterpreis in diesem Jahr neben Videos und Audio-Slideshows auch ein Text in dieser Kategorie eingestuft war.

Der Höhepunkt des Ungenauen lässt dann in der Beschreibung des Gewinnerbeitrags 2010 lesen. „Der Autor schöpfe das Handwerkszeug der Webreportage aus“, steht da. Seltsam, denn Texte, Videos und Audio-Slideshows sind doch sehr unterschiedlich, nicht nur in der Wahrnehmung, sondern eben auch in der Produktion.

Sicherlich bieten Videos, Audio-Slideshows und Mischformen tolle Möglichkeiten, eine Story im Netz zu erzählen. Doch dafür brauche ich keine glitzernden Begrifflichkeiten wie „Web Documentary“. Die dienen wohl eher dazu, sich abzugrenzen und das eigene Arbeitsgebiet für sich selbst und gegenüber anderen definieren zu können.

Und ja, es hört sich besser an. „Ich arbeite an einer Web-Reportage“, hinterlässt einen kreativeren Eindruck als: „Ich schneide ein Video“. Und unter „Audio
Slideshow“ versteht auch im Jahr 2010 die halbe Online-Welt immer noch nichts, weswegen auch hierfür ein Übergriff sicherlich nicht geschadet hat.

Begriffe wie „Web-Reportage“ erinnern mich an das Schicksal des Schlagworts „Multimedia“. Einst genauso hipp, zuckt heutzutage niemand mehr bei dem Begriff auf. Gemeinsam haben die Begriffe, dass sie schwammig sind und dass jeder etwas anderes darunter verstehen kann. Schließlich gibt es heutzutage immer noch Zeitungsmacher, die unter einer Bildergalerie oder einem DPA-Video auf der eigenen Website die höchste Entwicklungsstufe von „Multimedia“ verstehen.

Also noch mal: Von was sprechen wir? Wäre es nicht einfacher die Begriffe zu verwenden, die etwas aussagen? Video zum Beispiel. Oder Audio-Slideshow. Oder (Vuvox-)Collage. Oder. Oder. Die Begriffe glänzen nicht, dafür sind sie ehrlicher.

PS: Fernab von Definitionsfragen gratuliere ich Felix Seuffert und 2470media zu dem tollen Gewinn. Glückwunsch!

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