Das Rennen zwischen Video und Audio-Slideshow ist gelaufen, schreibt Fabian Mohr in seinem Blog. Gewonnen hat ihm zufolge das Bewegtbild. Doch: War es jemals ein Wettstreit? Nein, das war es nie.
Das Missverständnis liegt in der Annahme, dass Audio Slideshows eine gleichwertige Alternative zu Videos darstellen. Denn Ton-Bild-Strecken bieten sich nur für ganz bestimmte journalistische Darstellungsformen an. Das lässt sich mit einem Blick auf Websites in den USA erkennen. Eingesetzt werden sie dort fast nur für Reportagen und Porträts – spricht: für Nischen. Für die sind Audio Slideshows hervorragend und können eine stärkere Wirkung als Videos entfalten. Deswegen gehört das Format in den multimedialen Werkzeugkoffer jeder Redaktion.
Doch wer sich in den Redaktionsstuben umhört, erkennt das Dilemma, in der die Audio Slideshow gefangen ist: Videos dominieren die Websites. Nur wenige Online-Redakteure interessieren sich für die vertonten Fotofilme, geschweige wollen Geld dafür ausgeben. Und wenn eine Audio Slideshow doch einmal eine Chance auf der Website erhält, dann überzeugt sie oft nicht.
Ein Problem nennt sich Soundslides. Ruhmreich in der Vergangenheit, ein Bremsklotz in der Gegenwart. Das Programm von Joe Weiss eignet sich für Journalisten und Fotografen, die erste multimediale Schritte gehen wollen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn letztendlich lernt man Storys mit Bildern und Ton zu erzählen - also genau das, was Video schon immer macht. Die ersten Resultate mit Soundslides spornen an, hat sich die erste Aufregung dann gelegt, erweist sich die Software voller Barrieren, die die Kreativität hemmen und die Story auf die immer gleichen ausgetretenen Erzählpfade lenken. Gerade die starre Tonspur führt dazu, dass das Gros der Soundslides-Arbeiten sich ähnelt. Ton- und Bildspur wirken immer etwas entfremdet.
Dieses gewaltige Manko paart sich mit einem zweiten Problem: Audio Slideshows müssen sich dem User viel mehr beweisen als Videos, denen Schwächen eher verziehen werden. Audio Slideshows müssen aus diesem Grund viel hochwertiger produziert werden. Das ist selten und aufwendig, aber möglich – auch mit dem beschränkten Soundslides. Eindrucksvoll zeigt das etwa das viel beschworene One in 8 Million der NY Times. Für solche Ergebnisse sind allerdings Spezialisten nötig, denen von den Redaktionen auch entsprechend Zeit eingeräumt wird.
Um das Format der Audio Slideshow allgemein qualitativ voranzubringen, bedarf es den alten Gaul Soundslides zurücklassen und auf moderne Videoschnittsoftware umzusatteln. So lässt sich kreativer arbeiten, Ton und Bild enger verzahnen und auch Videosequenzen lassen sich verwenden. Aus gutem Grund verwendet die so häufig erwähnte Firma Mediastorm diese Art von Software.
Die Audio Slideshow ist ein überaus starkes Darstellungsmittel für Reportage und Porträt. Für andere Darstellungsformen eignet sich Video besser. In ihrer Nische überzeugen Ton-Bild-Strecken aber langfristig nur dann, wenn sie hochqualitativ, kreativ sowie inhaltlich und technisch abwechslungsreich produziert sind. Wenn sie das nicht schaffen, verlieren sie das Rennen gegen sich selbst.




am 11. Jan 2010 um 22:47
[...] SoundPhotographer: Das Rennen der Slideshow gegen sich selbst [...]
am 12. Jan 2010 um 11:37
Fabian, Danke für das Feedback. In einem Punkt sind wir wohl etwas auseinander - ich habe Zweifel, ob Audio-Slideshows tendenziell besser geeignet sind für Reportage und Porträt. Mein Eindruck ist eher, dass genau da die kreativen Grenzen langsam sichtbar werden und visuell arbeitende Journalisten sich eigentlich ohne Not einengen. Man kann es auch so sehen: Fotografen oder Journalisten, die sich bisher intensiv mit Audio-Slideshows beschäftigt haben, bringen sehr gute Voraussetzungen mit, um spannendes Video zu produzieren. Diesen nächsten Schritt fände ich spannend zu beobachten und auch überfällig.
am 12. Jan 2010 um 21:17
So sehr sind wir nicht auseinander. Die klassische Audio Slideshow kann mit dem Video nicht konkurrieren, weil es zu starr ist. Ihr Anteil am Multimedia-Kuchen wird deswegen im Vergleich zu Video stets klein sein.
Allerdings sehe ich in dem Format eine Alternative für Reportage und Porträt - dezent eingesetzt und hochqualitativ produziert. Unter diesen Umständen KANN es stärker wirken als Video und erfrischend auf die Usern wirken.
Ob die Redaktionen das Format allerdings irgendwann verwenden werden oder links liegen lassen, ist eine andere Frage. Es lässt sich gut beobachten, dass viele direkt und ausschließlich auf den Videozug aufspringen. Doch dort könnten einzelne Fotos Einzug halten, womit Teile der Audio Slideshow überleben würden. Das habe ich mit Weiterentwicklung gemeint.
Auch wenn der Trend weiterhin zum Video geht: Ich schaue sehr gerne Audio Slideshows und erstelle sie auch sehr gerne. Doch auf nur ein Format will auch ich mich nicht beschränken.
am 14. Jan 2010 um 10:34
Meiner Meinung nach kann eine Audioslideshow Dinge viel besser auf den Punkt bringen. Optisch/Ästhetisch wird ein gutes Video niemals ein gutes Foto erreichen. Ich sehe es auch eher wie Fabian Schweyher, für Reportagen und Portraits eignet sich die Audioslideshow sehr gut.
“Allerdings sehe ich in dem Format eine Alternative für Reportage und Porträt - dezent eingesetzt und hochqualitativ(!!!) produziert. ”
Ja, ganz wichtig. Die meisten Videos sind unansehnbar finde ich. Aber für solch einen Markt und Preis halt gemacht. Die Audioslideshow wird(und muss!) sich absetzen.
am 14. Jan 2010 um 21:06
[...] Hier im Blog: Das Rennen der Audio Slideshow gegen sich selbst [...]
am 14. Jan 2010 um 22:02
[...] Fabian Schweyher: Das Missverständnis liegt in der Annahme, dass Audio Slideshows eine gleichwertige Alternative zu Videos darstellen. Denn Ton-Bild-Strecken bieten sich nur für ganz bestimmte journalistische Darstellungsformen an. [...]