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„Krieg dem Kriege“


Bild: Mediastorm

Krieg dem Kriege – so lautet der Titel eines Buchs von Ernst Friedrich, das 1924 veröffentlicht und den Schrecken des Krieges – in diesem Fall des Ersten Weltkriegs – deutlich machen sollte. Darin festgehalten sind Aufnahmen von entstellten, verkrüppelten Soldaten. Eben das, was nach einem Krieg übrig bleibt.

An dieses Buch musste ich denken, als ich die Audio-Bildergalerie The Marlboro Marine (Mediastorm, LA Times) gesehen habe.

Der Irak im Jahr 2004. In der Stadt Falludscha kämpfen Aufständische und US-Truppen erbittert gegeneinander. Der Soldat James Blake Miller ist mittendrin, er nimmt mehreren Rebellen das Leben.

Bekannt wurde Miller durch ein Foto (siehe oben), das ihn auf dem Dach eines Hauses zeigt. Sein Gesicht und seine Uniform sind dreckverschmiert, sein Blick verfolgt nachdenklich den Sonnenaufgang. Zwischen seinen Lippen hängt lässig eine qualmende Fluppe, sie scheint das Einzige an ihm zu sein, das nicht verroht ist.

James Blake Miller kehrt äußerlich unversehrt und doch schwer verwundet aus dem Irak-Krieg in seine Heimat zurück. Posttraumatische Belastungsstörung. Sein früheres Ich ist ihm fremd geworden. Seine Ehe zerbricht. Er kurz davor, sich umzubringen.

Der Fotograf Luis Sinco, der das bekannte Foto in Falludscha geschossen hat, hat Miller nach seiner Rückkehr in die USA begleitet. Eine besondere Bindung besteht zwischen den beiden.

Sein Porträt von diesem gezeichneten Menschen ist ein einnehmendes Werk. Die starke Atmo entsteht aus großartigen Fotos, passender Musik und der ausdrucksstarken Stimme Millers.

Gut zu erkennen ist, wie wichtig hochwertige Tonaufnahmen sind. So intensiv Millers O-Töne auch sind, das elendige Rauschen stört gewaltig.

Nachtrag

Sehr lesenswert, die komplette Story in Textform auf der Website der LA Times:

Two lives blurred together by a photo (1)
Rescue operation aims to save a wounded warrior (2)

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