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Dominik Baurs „Weltklimaanlage“ (SpOn)

Weltklima
Bild: Screenshot (12.11.2007), Spiegel Online

Horst-Christian war so freundlich mich auf ein multimediales Dossier von Dominik Baur hinzuweisen: Amazonien – Die Weltklimaanlage (Spiegel Online). Fiete Stegers hat bereits eine Kurzkritik auf onlinejournalismus.de geschrieben. In einem ähnlichen Stil möchte auch ich dies halten.

Ich finde es toll, dass eine deutsche Online-Publikation – in diesem Fall Spiegel Online – seinen Usern endlich mal wieder ein multimediales Dossier präsentiert.

Produzent Dominik Baur hat sicherlich viel Arbeit in sein Werk gesteckt. Alle Achtung für diese Ein-Mann-Leistung.

Um was geht’s?

Leider macht das Intro nicht klar, was die User erwartet. Natürlich ist das Thema mit den Stichworten „Amazonien“ und „Weltklimaanlage“ grob eingegrenzt, aber dies lässt noch zu viel Spielraum.

Im Verlauf des Werks wird dies nicht besser. Mehrere Aspekte werden angeführt, allerdings ohne roten Faden. Verwirrend.

Den Usern sollte von Beginn an deutlich gemacht werden, was sie erwartet und anschließend durch die Story geführt werden.

Mehrmedialer Einsatz ahoj!

Dominik Baur verwendet einen Medienmix aus Fotos, Videos, Infografiken und Text. Lobenswert, bekanntlich werden Medienformen auch im Internet sehr getrennt voneinander verwendet. Jede journalistische Arbeit, die mehrere Medien in sich vereint und ausgetretene Pfade verlässt, ist daher grundsätzlich positiv zu bewerten.

Trotzdem ist mir die „Weltklimaanlage“ zu schriftlastig. Eine Texttafel folgt auf die nächste. Es wäre nicht nur abwechslungsreicher, sondern ebenso entspannter gewesen, einem Erzähler zuzuhören.

Der Ton wird hauptsächlich für Umgebungsgeräusche und Musik eingesetzt. Teilweise finde ich das super. Beispielsweise ist kurz nach dem Intro im Soundloop ein Insekt zu hören. Es kommt näher, wird ganz laut, dröhnt summend – man geht intuitiv mit dem Kopf etwas zur Seite. Das ist schon großes Ohrenkino, das die eigene Vorstellung ganz nah an die Szenerie versetzt.

Sound kann jedoch mehr als nur Atmosphäre zu erzeugen – und auf Dauer ist dies zu wenig. Die verwendeten Interview-Videos wirken auch deshalb frisch, weil ein Mensch zu hören ist.

Das Zusammenspiel der verschiedenen Medien gefällt mir nicht, da keines der Medien zwingend eingesetzt wird. Ein Beispiel: Das Goldsucher-Video ist belanglos und hätte ebenso gut mit Fotos gelöst werden können. Auf diese Weise kann keines der eingesetzten Medien seine Stärken ausspielen.

Das Problem Navigation

Die Zeit-/Screenleiste finde ich sehr irritierend. Einerseits lädt sie mit ihren Buttons zur Interaktion ein, andererseits läuft die Geschichte teilweise von selbst ab und reißt so die Kontrolle an sich.

Genauso wird nicht klar, dass die Zeitleiste und die damit assoziierte Bilderstrecke kein einzelnes Storyelement, sondern die Arbeit an sich darstellt. Die User sind andere Nutzungsformen gewohnt, weswegen die Menü-Reiter ebenfalls deplatziert bzw. unerklärt wirken.

Eine vielleicht bessere Lösung wäre gewesen, zu Beginn der „Weltklimaanlage“ ein erklärendes Menü-Screen zu bringen. Anschließend wären zwei weiterführende Varianten gut gewesen.

1. Eine geführte Tour durch die Story für die User – etwa wie in der gegenwärtigen Form.

2. Einen interaktiveren Zugang für aktivere User. Dafür wäre etwa eine Flash-Landkarte geeignet gewesen, über die sich die User in die verschiedenen Aspekte der Story klicken könnten.

Vielen Dank an Dominik Baur für seine Arbeit und die angenehme Abwechslung im Online-Journalismus.

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