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Unter die Haube geschaut

Es fällt es uns nicht auf, wenn wir gebannt in den Fernseher schauen. Erst wenn sich jemand vor die Diagonale stellt oder die Stumm-Taste drückt, merken wir, dass das Fernsehen zwei menschliche Sinne bedient. Ein audio-visuelles Medium eben, genau wie die Audio-Bildergalerie. Sie besteht – wie der Name schon sagt – aus einer Mixtur: Fotografien werden zu einer Bildergalerie angeordnet und mit Audio kombiniert. Die beiden unterschiedlichen Kanäle fallen mehr auf und wirken stärker. Um dies besser zu verstehen, ist es sinnvoll einen Blick auf die Bestandteile dieses Formats zu werfen.

Komponentenkunde Teil I: Audio

Die Welt des Klangs bietet Informationen und Vorteile, die den Kollegen vom Print stets verwehrt bleiben.

Klang ist omnipräsent. Ein Leben ohne Geräusche gibt es nicht, und unser Gehör lässt sich nicht stumm schalten. Von Geburt an haben wir gelernt, bestimmte Geräusche mit bestimmten Umgebungen zu verbinden. Es entsteht eine Vorstellung in uns und das in Sekundenbruchteilen. Mit Atmosphärenaufnahmen, also Geräuschen, lassen sich Menschen sehr gut an einen Ort heranführen.

Zum Audiobereich gehört natürlich auch die gesprochene Sprache, in Form der Stimme des Reporters oder von O-Tönen. Sie besitzt zwei wichtige Eigenschaften: Das gesprochene Wort genießt eine höhere Glaubwürdigkeit als Geschriebenes. Außerdem sind O-Töne weitaus mehr als nur Statements. Sie vermitteln vielfältige Informationen über Menschen, ihre Stimmung und ihre Situation. Beispielsweise:

• Wie spricht die Person?
• In welcher Tonlage?
• In welcher Geschwindigkeit?
• In welcher Lautstärke?
• Mit Betonungen? An welchen Stellen?
• Mit Pausen? Wie lange?
• Wie ist die Atmung?
• Welche Wörter werden verwendet?
• Spricht die Person mit Akzent oder mit Dialekt?
• Spricht sie enthusiastisch, bestimmend, gelangweilt oder nachdenklich?

Die Stimme und die Sprechweise enthalten viele Eindrücke, aus denen sehr schnell eine Vorstellung der Person entsteht – als ob sie uns gegenüber stehen würde. Sie rückt näher an uns heran. O-Töne schaffen auf diese Weise eine emotionale Bindung zwischen Sprecher und Zuhörer. Zudem lässt sich die Art und Weise wie jemand etwas sagt, oft mit Worten nicht beschreiben – eine auditive Zusatzinformation.

Ob Geräusche oder O-Töne, die Vorteile der auditiven Berichterstattung sollten die Produzenten von Audio-Bildergalerien ausnutzen.

Komponentenkunde Teil II: Fotografie

Ein Bild sagt mehr aus als tausend Wörter, lautet eine vielgebrauchte Phrase – und sie stimmt. Fotografien vermitteln in wenigen Augenblicken ihre Aussage, zeigen Menschen oder visualisieren Situationen. Gerade abgelichtete Gefühle wirken enorm auf die Betrachter und erzeugen eine emotionale Bindung.

Zusammen mit künstlerischen Aspekten strahlen Fotografien eine sehr starke Anziehungskraft aus, die nicht einmal Bewegtbilder erreichen. Sie sind Blickfänger, die wie Dokumente wirken. Die meisten Betrachter empfinden ein Bild als authentischer als einen Text, als ein Abbild der Realität.

Fotografen orientieren sich bei ihrer Arbeit – bewusst oder nicht – an diesen Eigenschaften. Ein Grund mehr für Multimedia-Producer, die Fotografie mit ihrer besonderen Wirkung einzusetzen.

Komponentenkunde Teil III: Bildergalerie

Eine Fotografie zeigt eine Momentaufnahme. Eine Story oder Geschehnisse lassen sich über eine Abfolge von Bildern darstellen. Die Wirkung entsteht weniger aus einzelnen Aufnahmen, sondern aus deren Reihenfolge und dem Gesamteindruck. Sehr wichtig ist deswegen das Storytelling, da Bildergalerien auf dem Konzept der Foto-Reportage beruhen. Sie zerlegt ein Thema in verschiedene Aspekte, kreist sie fotografisch ein und arbeitet sie dramaturgisch auf.

Wer Bilder unüberlegt und zahllos aneinanderreiht, wird weder eine Wirkung erzielen noch eine Story erzählen. Gleiches gilt für Ton-Bild-Strecken, in deren Mittelpunkt normalerweise eine Story steht. Die Bildreihenfolge, die Dramaturgie und die Länge sollten genau bedacht sein.

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