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Idealtypen (2): Die Augenzeugen-Reportage

auggeg

Vereinfacht gesagt ist die Reportage ein Erlebnisbericht, der auf Fakten basiert und gleichzeitig persönliche Eindrücke und Emotionen enthält. Dafür lassen sich Fotografien und Ton-Aufnahmen sehr gut verwenden. Ein geeignete Einsatzmöglichkeit für die Audio-Bildergalerie.

Die „Augenzeugen-Reportage“ orientiert sich an dieser journalistischen Darstellungsform. Ein Reporter schildert – neben sachlichen Informationen – die Geschehnisse aus nächster Nähe, als Augenzeuge, weshalb seine Erfahrungen und Eindrücke sehr intensiv sind. Die häufigsten Vertreter dieser Variante sind Fotografen. Egal wo etwas auf der Welt passiert – Fotojournalisten sind (fast) immer dabei und ganz nah dran.

Diese Variante konzentriert sich auf einen engen thematischen Ausschnitt, weshalb sich die Fotografien sehr gut mit dem Reportertext verzahnen lassen. Der Schwerpunkt liegt auf der Bildreihenfolge, die sehr bewusst gemäß einer Foto-Reportage angeordnet ist.

Der Reporter schildert seine Eindrücke, die er gleichzeitig anhand seiner Fotografien zeigt. Manchmal nimmt er Bezug zu einzelnen Bildern. Dabei gilt: Umso weniger er auf einzelne Bilder eingeht, umso dynamischer wird die Dramaturgie, die oft von den Geschehnissen vor Ort lebt. Im gegensätzlichen Fall rückt die Person des Fotografen stärker in den Vordergrund, auf Kosten der Spannung.

Generell verwendet dieser Typ keine Musik oder O-Töne, dagegen unterstützen Atmosphären-Aufnahmen die Ton-Bild-Strecken.

Vielleicht haben Sie die nun folgende Audio-Bildergalerie bereits gesehen. Bitte betrachten Sie sie dieses Mal unter oben genannten Gesichtspunkten.

10th

Beispiel: The 10th Mountain Division (TIME Magazine)

TIME-Fotograf Robert Nickelsberg war zehn Tage bei der US-amerikanischen 10th Mountain Division in Afghanistan eingebettet und erlebte den Alltag der Soldaten. Bei einem Gefecht mit Taliban-Kämpfern werden die Soldaten mit einer Panzerfaust beschossen, drei werden verwundet und mit einem Hubschrauber evakuiert.

Anhand von 22 Aufnahmen schildert Nickelsberg diese Erlebnisse, gepaart mit allgemeinen Informationen und ergänzt mit einer Atmosphären-Aufnahme. Er spricht schnell und bestimmt. In genauso schneller Reihenfolge laufen die Bilder ab, wobei jedes einen unmittelbaren Bezug zum Gesprochenen besitzt. Dies erspart ihm, länger auf einzelne Bilder einzugehen. Vier Sekunden wird jedes Bild gezeigt, bevor es ausblendet.

Während auf dem ersten Bild zwei fliegende Militärhelikopter in einer kargen Landschaft zu sehen sind und so den User in die Story hineinzieht, zeigt die letzte Aufnahme bedrückte Soldaten, was den Nutzer nachdenklich zurücklässt. Beide Bilder sind Teil der Dramaturgie und des roten Fadens, die den Ablauf vor Ort widerspiegeln. Der Spannungsbogen beginnt bei dem langsamen und erklärenden Einstieg, spitzt sich bei dem Gefecht und der Evakuierung zu, um danach in Ernüchterung abzuflachen. Dies wird von den qualitativen und schnell wechselnden Aufnahmen unterstützt. Der User schaut praktisch durch die Linse des Fotografen und lauscht seinen Worten. Man fühlt sich fast schon in die einnehmende „Handlung“ hineinversetzt.

Weitere Beispiele:

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